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"Bunga-Bunga", Mafia & Unterwelten: Der italienische Film rechnet bitterböse ab! Special zum Heimkinostart LORO – DIE VERFÜHRTEN (ab 29.03.2019)

Der italienische Film ist seit jeher ein beliebtes Sprachrohr der Kreativen, um mit gesellschaftlichen Missständen ins Gericht zu gehen, wenn nicht gar bitterböse abzurechnen! Schonungslos werden die Machenschaften der Mafia aufgedeckt, Berlusconis „Bunga-Bunga“ Partys persifliert und korrupte Eliten aufs Korn genommen – verpackt in hochspannenden Thrillern, Satiren, Dramen oder Dokumentarfilmen. Alles begann in den 50er Jahren mit Filmen von Großmeistern wie Federico Fellini, Roberto Rossellini und Vittorio De Sica, die im Neorealismus mit dem Faschismus abrechneten, ungeschminkte Wahrheiten ans Licht brachten und doch poetisch blieben in all der Grausamkeit.

Diese Kunst beherrschen die italienischen Kreativen auch heute! Kaum eine andere Filmnation erlebt eine vergleichbare künstlerische Blüte wie das italienische Kino der letzten zehn Jahre. Die internationale Aufmerksamkeit ist dem italienischen Film unlängst sicher. Regie-Talente wie Paolo Sorrentino, Matteo Garone und Stefano Sollima machen sich das Erbe der ehemaligen Filmemacher zu eigen und erschaffen unerschrockene, bildgewaltige Filme, die die italienische Gesellschaft kritisch spiegeln und Missstände aufdecken.

So hat Paolo Sorrentino mit LORO – DIE VERFÜHRTEN ein Meisterwerk über einen Lebensabschnitt des berüchtigten Medienmoguls und Politikers Silvio Berlusconi (Toni Servillo – „La Grande Belezza“) geschaffen, das ein Land gierig nach Reichtum, Macht und Sex zeigt. In großer und kluger Sorrentino Manier geht er aber noch weiter und blickt hinter die Fassade des Cavaliere und der nur scheinbar vermeintlich dekadenten Welt, die doch so viel mehr ist…

Anlässlich des Heimkinostarts blicken wir auf einige wichtige und faszinierende Filme der jüngeren italienischen Filmgeschichte zurück.



„Il Divo – Der Göttliche“ (2008) | Eine teuflische Satire
Die Filmbiographie stammt aus der Feder von Paolo Sorrentino und erzählt die Geschichte über den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti: Sein skandalträchtiges Leben wird in persona vom großartigen Toni Servillo als machthungrigen und buckeligen Politiker persifliert. Mit der bitterbösen Polit-Satire besticht Sorrentino zwar vor allem durch Zynismus, erzeugt aber gleichzeitig Faszination für diesen speziellen Politiker. Er rechnet als Filmemacher sehr mutig mit den italienischen Umständen der 80er und 90er Jahre ab.

„Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra“ (2008) | Gnadenlose Offenbarung der neapolitanischen Mafia

Filmemacher Matteo Garrone wirft mit seinem Thriller einen schonungslosen Blick auf die Machenschaften der neapolitanischen Mafia. Als Grundlage diente ihm die Romanvorlage vom Journalisten Roberto Saviano. Und er lässt, in Tradition des neorealistischen Films, nichts aus in seiner semi-dokumentarischen Verfilmung: Kriege zwischen den Clans, viele Morde, illegale Machenschaften. In fünf erzählten Episoden zeigt Garrone eine schmutzige, brutale und verstörende Welt rund um Neapel, die in fester Hand der Organisation „Camorra“ ist. Seine kühle und desillusionierte Darstellung einer italienischen Region wurde mit mehreren Preisen belohnt.

La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ (2013) | Ein höhnischer Blick auf römische Dekadenz in wunderschönen Bildern
Mit diesem prachtvollen Leinwandstück gelang Paolo Sorrentino der große internationale Durchbruch, gekrönt mit einem Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“. Es zeigt die Geschichte des alternden Star-Journalisten Jep Gambardella, wieder durch Toni Servillo dargestellt, inmitten der Schönen und Glamourösen von Rom. Er selbst ist Teil dieser dekadenten, mondänen Welt, Gast von exzessiven Partys sowie Frauenverführer. Doch in einer Lebenskrise hinterfragt und reflektiert Gambardella die achso schöne und geleckte Welt. Sorrentino präsentiert ein melancholisches Werk, über eine Scheinwelt und Sinnsuche. Er geht mit der Oberschicht ins Gericht, in Anlehnung auf die exzessiven Gelage der Berlusconi Zeit.

„Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse“ (2015) | Düsteres Sittenbild von Rom
„Suburra“ ist ein erbarmungsloser Neo-Noir-Thriller vom Genremeister Stefano Sollima, der erst letztes Jahr die erfolgreiche Fortsetzung der „Sicario“-Reihe inszeniert hat. Die Story basiert auf dem gleichnamigen Buch von Giancarlo De Cataldo und Carlo Bonini. Auch hier geht es um Silvio Berlusconi, um die letzten sieben Tage seiner Amtszeit 2011 in Rom: Das Kabinett ist am zerfallen, Rom ist ein Sammelbecken der Sünde. Die Unterwelt hat die Stadt fest im Griff. Mittels eines Pakts zwischen Mafia, Politik und Kirche will der Gangster "Samurai" (Claudio Amendola) den Hafenbereich der Stadt zu einem italienischen Las Vegas aufbauen. Doch nach dem Tod einer minderjährigen Prostituierten bei einer Sex Orgie eskaliert die Situation, ein schauderhafter Bandenkrieg in der römischen Unterwelt bricht aus…

LORO – DIE VERFÜHRTEN (2018) | Alles ist wahr. Alles ist falsch. Ein intensiver Blick auf Berlusconi

Italien im Jahr 2008: Das Land ist geprägt von der Gier nach Reichtum, Macht und Sex und im Mittelpunkt steht der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi, um den sich zahlreiche andere Figuren auf der Suche nach Macht und ewiger Jugend scharen: Sergio betreibt einen kleinen Callgirl-Ring und will ebenso wie seine Partnerin Tamara und seine dauerkoksenden Mädchen endlich auch seine Träume verwirklichen. Die greisen Politiker in Rom sind süchtig nach Macht und wollen nicht von ihren Positionen lassen. Doch Berlusconi ist nur scheinbar der mächtigste Mann des Landes und der größte Medienmogul Europas. Er brütet auf seiner Sommerresidenz vor sich hin, ist ausgebrannt und hat mit zahlreichen Klagen zu kämpfen, seine geliebte Ehefrau Veronica verachtet ihn. Als ihn dann auch noch ein enger Vertrauter verrät, beschließt Berlusconi, erneut die Macht an sich zu reißen und Ministerpräsident zu werden.



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